Spielbericht

14.08.2004
Der Adler ist gelandet

BERLIN ADLER - HAMBURG BLUE DEVILS 13:14
(00:00 / 00:00 / 10:07 / 03:07)

Als Fan der Hamburg Blue Devils sollte man es sich in diesem Jahr reiflich überlegen, ob man es sich leisten kann, auch nur ein Spiel seines Teams zu versäumen. Nach den Krimis im Hinspiel gegen die Berlin Adler (31:38) und dem unglaublichen Comeback-Sieg gegen die Dresden Monarchs am heimischen Millerntor (24:21) fügten die Teufel am vergangenen Samstag in Berlin diesem „Krimi 2004“ ein weiteres Kapitel hinzu.

Die Zwischenergebnisse des Spiels zeigen es – beide Verteidigungsreihen haben dem Gegner nichts geschenkt. Verbissen wurde über die gesamte Spielzeit um jeden Zentimeter Raumgewinn gekämpft. Insbesondere auf Seiten der Hamburger vermochte es die unzweifelhaft wiedererstarkte „Blaue Wand“ um LB John van Look, die weniger starken Eindrücke des Saisonbeginns vergessen zu machen. Adler- Star und Ex-Devil Estrus Crayton konnte fast jederzeit kontrolliert werden und lief sich ein ums andere Mal fest. Auch das Fehlen der DBs Rico Meinhardt und Alessandro Castaldo wurde kompensiert. Toure Butler und Javan Lenhardt zerstörten die wenigen tiefen Passversuche der Gastgeber regelmäßig.

Die Berliner Verteidigung hatte sich sehr gut auf die aus Personalnot weniger variantenreiche Offense der Teufel eingestellt und verhinderte durch gutes Stellungsspiel der Passverteidiger und enormen Druck an der Line, dass sich der brandgefährliche Darius Outlaw wie gewohnt entfalten konnte. Daran vermochte auch die erneut starke Leistung der Offense-Line nichts zu ändern. Das Laufspiel der Gäste konnte sich erwartungsgemäß nicht gut entwickeln – Curtis Cooper fehlt an allen Ecken und Enden. Er kann trotz des sehr guten Einsatzes von Marc Huismann und Julian Spohr, zeitweise sogar DB Toure Butler, nicht ersetzt werden.

Das Spiel in der Hitze des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks entwickelte sich kurios. Nachdem die erste Angriffsserie der Berliner durch eine Interception von Javan Lenhardt gestoppt werden konnte, fumbelte Darius Outlaw wenig später beim Snap. Der Ball wurde von Beau Colemann aufgenommen und 38 Yards bis zur Hamburger 10 Yard-Line zurück getragen, bevor Marico Gregersen ihn gerade noch „am Schnürsenkel“ vom Touchdown abhalten konnte. Colemann fumbelte dabei nun seinerseits und Gregersen sicherte den Ball wieder für die Hamburger Offense. Durchatmen war angesagt. Bis unmittelbar vor dem ersten Seitenwechsel hatten sich die Gastgeber wieder bis 15 Yard-Line der Teufel vorgearbeitet und standen bei einem 4. Down und 1 Yard vor den ersten Punkten. Statt jedoch das sichere Fieldgoal zu nehmen, ging HC Kent Anderson auf Ganze und wollte zu viel. QB David Caudill lief sich an der Blauen Wand die Nase platt – Turnover on Downs!

Das Bild des Spiels änderte sich auch im 2. Viertel nicht. Ein kampfbetontes, aber jederzeit faires Spiel. Einer Interception durch Outlaw folgte ein sehr langer Drive der Adler bis zur 1 Yard-Line, wo sich die Adler erneut einem 4. Down gegenüber sahen. Aus der Fieldgoal-Formation heraus ergriff Dennis Zimmermann die Initiative – nach dem Motto genug ist nicht genug rollte er nach dem Snap mit dem Ball zur Seitenlinie und passte in die Endzone – incomplete. Statt mit einem 6:0 in die Pause zu gehen, standen die Adler mit leeren Händen da.

Das änderte sich erst nach der Pause. Nach einem hervorragenden Punt der Berliner waren die Hamburger an der eigenen 1 Yard-Line festgenagelt. Bei dem Versuch, sich aus dieser prekären Situation zu befreien, erkannten die Schiedsrichter ein Holding in der Endzone – das Resultat nach der Regel ist ein Safety zum 2:0 für die Adler. Den folgenden Drive der Gastgeber konnte erneut Javan Lenhardt mit seiner zweiten Interception beenden. Darius Outlaw sah dafür die Höchststrafe für die Adler vor – ein schöner Lauf über 19 Yard brachte die Devils endlich aufs Scoreboard und in Führung.

Kurz bevor die Seiten zum letzten Mal gewechselt wurden, konnte Estrus Crayton den Jägern entwischen und „seinen“ Touchdown markieren. Die folgende Two Point Conversion gelang den Berlinern auch. Zusammen mit dem zu Beginn des 4. Viertels folgenden 33 Yard-Fieldgoal von Benjamin Scharweit, auf den Anderson dann offenbar doch vertraute, waren die Adler nun auf 13:7 davon gezogen. Eine Vorentscheidung?

Nein – die Devils ließen sich nicht aus dem Konzept bringen und konterten im direkten Gegenzug. Ausgerechnet dem aus der eigenen Jugend aufgerückten Julian Spohr war es vorbehalten, die Devils mit einem 3 Yard-Lauf auf die Siegerstrasse zu bringen (PAT Dannehl). Der Jubel kannte keine Grenzen.

Verzweifelt rannten die Gastgeber im letzten Drive den verpassten Möglichkeiten hinterher. Plötzlich kamen die Pässe auf Olaf Fischer mit traumhafter Sicherheit an. Von der eigenen 20 Yard-Line führte David Caudill sein Team bis zur 29 Yard-Line der Devils. Dabei konnte ein 4. Down und 10 nach drei nicht gefangenen Pässen in ein neues First Down umgewandelt werden, bevor John van Look mit seiner Interception die eigene Leistung krönte und den Auswärtserfolg der Hamburger sicherte.

Selten hat man das Team und besonders Kirk Heidelberg so feiern sehen. Er bedankte sich bei den etwa 350 mitgereisten blauen Fans mit einem Hecht in die Weitsprunggrube vor der Tribüne und betonte nach dem Spiel, dass er diesen Sieg gar nicht hoch genug einschätzen kann. Ohne ein funktionierendes Laufspiel war die Offense heute für die Adler zu gut auszurechnen. Dass man trotzdem die zwei Punkte mit nach Hamburg nehmen kann, ist der Defense zu verdanken, die eine herausragende Leistung erbracht hat. Heidelberg dankte ganz besonders diesen unglaublichen Fans der Devils, denen dieser Sieg zum großen Teil mit zu verdanken ist.

Kent Anderson übernahm die Verantwortung dafür, dass es ihm bisher nicht gelungen ist, aus Offense und Defense ein Team zu formen. Mal – wie heute – erbringt die Defense eine große Leistung, mal die Offense. Dass aber beide Mannschaftsteile an einem Tag gleichermaßen gute Leistungen erbringen, sei bisher nicht gelungen. Daran sei zu arbeiten. Auf die zum Teil wenig verständlichen Entscheidungen in den Schlüsselszenen ging er dabei aber nicht ein.

Für die Hamburg Blue Devils ist damit die Tür zum zweiten Platz in der Nordgruppe der GFL wieder offen. Dazu bedarf es aber dreier Siege in den letzten Spielen der regulären Saison. Am kommenden Samstag sind die Aufsteiger der Hannover Musketeers zu Gast am Millerntor, bevor man am 28.8. in Dresden und am 4.9. in Rothenburg die Saison komplettieren wird. Die Berlin Adler als Tabellenzweiter haben mit den Spielen gegen die Dresden Monarchs, die Braunschweig Lions und den Tabellenführer der Gruppe Süd, Schwäbisch Hall, das weitaus schwerere Restprogramm. Aber auch die Monarchs aus Dresden darf man nicht aus den Augen lassen bei diesem Rennen um das Heimrecht im Viertelfinale. Mit den Spielen gegen Berlin, Hamburg und Stuttgart haben die Monarchs auch kein leichtes Finale vor sich.

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