Wer am Samstag Abend im Hamburger Millerntorstadion das Spiel der Elbe – Partnerstädte gesehen hat, weiß, warum die Fans ihre Blauen Teufel so lieben. Dieses Spiel reiht sich nahtlos in die legendären Auseinandersetzungen ein, von denen sich Generationen von Devils - Fans immer wieder berichten.
Einen 24-Punkte-Comback Sieg im letzten Quarter sieht man eben selbst in der Blauen Hölle nicht alle Tage.
Das dieses Spiel eine schwere Aufgabe für die in diesem Jahr durch den Punktabzug für Lizenzverstöße, diverse Ausfälle von Schlüsselspielern durch Verletzungen oder berufliche Notwendigkeiten und die sehr engen finanziellen Rahmenbedingungen arg gebeutelten Devils werden würde, war allen Beteiligten klar. Mit den Dresden Monarchs kam ein direkter Konkurrent um die Play-Off Plätze 3 und 4 im Norden ans Millerntor, in dessen Reihen auch der aktuelle Topscorer der Liga, RB Bruce
Molock, für Probleme in der gegnerischen Defense sorgt. Und gerade die Defense der Devils zeigte sich in den bisherigen Spielen als der anfälligere Mannschaftsteil, während die Offense es immer wieder verstanden hat, viele Punkte zu produzieren.
Hoffnung machten den Blauen die Rückkehrer in der Verteidigung wie LB John van Look, DL Jens Allers und auch wieder DL Vladi Ilic, in der Offense sollte die Genesung von RB Curtis Cooper für eine weitere Dimension im Spiel sorgen.
Wie schon in allen bisherigen Saisonspielen lagen die Gastgeber schnell zurück. Nachdem die „adligen“ den ersten Angriffsversuch der Devils stoppen konnten, machte
Molock seinem Ruf alle Ehre und nutzte gleich den ersten Ballbesitz der Monarchs zu einem unwillkommenen Besuch in der blauen Endzone (60 Yard Lauf). Der Umstand, dass die Offense der Gastgeber diesmal nicht in der Lage war, Punkte zu produzieren, ließ schon früh Schlimmes ahnen. Noch vor dem ersten Seitenwechsel zeigten die Goldhelme, dass QB Donnell Brown auch über einen starken Wurfarm verfügt. Nach einer Interception durch LB Mike Reichenbach bediente er TE Yoan Schnee zum Touchdown. Dieses Spiel wiederholte sich dann kurz vor der Halbzeit, als WR Toni Schmiedel die vermeintliche Vorentscheidung mit der 00:21 Halbzeitführung erzielte. Die Defense der Devils hatte es zwar verstanden, den Vorwärtsdrang von
Molock in Grenzen zu halten, einen Ballbesitzwechsel ohne Punkte konnte man aber nicht erzwingen. Die Monarchs kontrollierten bis zur Halbzeit Ball und Uhr beinahe nach Belieben und hielten so Darius Outlaw und Curtis Cooper vom Platz. Die durften im 2. Viertel gerade einmal für fünf Spielzüge zeigen, dass sie noch da waren. Die Blauen verloren nach einem unglücklichen Zusammenprall auch noch DB Rico Meinhardt, der mit einem Armbruch ins Krankenhaus gebracht werden musste.
Was auch immer die Coaches den Teams in der Halbzeitpause gesagt haben mögen – viel geändert hat sich auch im 3. Viertel nicht. Zwar konnten die Gäste nicht weiter Punkten, blieben aber bei Ihrer Clock-Control Offense und die Devils mühten sich redlich ohne zählbaren Erfolg.
Als sich eigentlich alle Zuschauer schon mit einer erneuten Niederlage abgefunden hatten und darüber diskutierten, ob das Heimteam denn in diesem Jahr die Play Offs noch würde erreichen können mit diesem Punktverlust, drehte sich das „Momentum“ ganz langsam und zunächst nahezu unbemerkt.
Mit Beifall wurde zur Kenntnis genommen, dass die Monarchs zweimal ein 4. Down nicht verwandeln konnten, noch freundlicher dann, dass die Devils die vermeintlichen Ehrenpunkte durch einen TD - Pass von Outlaw auf Max v. Garnier erzielen konnten (10:49 Min Restzeit) und die Gäste im folgenden Drive nach 3 Versuchen erstmals im Spiel punten mussten. Beim nun folgenden Angriff der Devils brachte Outlaw dann die Brechstange mit aus der Teamzone. Zwei Passversuche – dann ein gaaanz langes Brot über 54 Yard auf Marico Gregersen und der Anschluss war erstmal geschafft – 14:21 und noch immer 07:32 Min auf der Uhr. Sollte da tatsächlich noch etwas gehen? Fans und Team bildeten spürbar eine Einheit in der Hoffnung auf das eigentlich Unmögliche.
Auch die Gäste aus Dresden spürten, dass etwas in der Luft lag und versuchten nach Kräften, die Uhr zu kontrollieren. Aber die Defense der Teufel hatte sich gefunden und erzwang erneut den Ballbesitzwechsel. Durch einen traumhaft sicheren Luftangriff von Outlaw auf Mega Max v. Garnier, der dabei unter anderem einen genialen „One-Hand-Catch“ zum First Down machte, gelang eine Minute vor dem Ende der Spielzeit der nicht mehr für möglich gehaltene Ausgleich.
Nun war natürlich klar, dass Dresden versuchen würde, die restliche Spielzeit zu nutzen, um das Spiel doch noch zu gewinnen. Unterstützt durch zwei Mal 15 Yards Strafe gegen die Gastgeber fand man sich mit einem 1. Versuch und 10 bei 55 Sekunden auf der 28 Yard Line der Devils. Eine mehr als günstige Ausgangsposition. Ein oder zwei Läufe noch, dann ein Fieldgoal des sicheren Kickers Holger Hempel und der Drops ist doch noch gelutscht. Den Devils blieb also keine Chance mehr – doch genau diese nutzten sie.
Welcher der ca 5.000 Teufel im Stadion Monarchs QB Donnel Brown auch geritten hat – er versuchte es mit einem Pass auf die Seite von Toure Butler – sicher der größte Fehler, den ein QB in einer solchen Situation machen kann. Prompt ließ sich der überragende DB der Hamburger nicht zweimal bitten, schnappte sich das Ei aus der Luft und trug es 34 Yard bis zur 44-Yard-Line der Devils zurück. Es blieben den Hausherren noch 33 Sekunden auf der Uhr. Reichlich Zeit also, für das „Blaue Wunder“ zu sorgen. Ein kurzer Pass auf v. Garnier zum First Down, ein langes Ende auf die rechte Seite, wo Toni Meinhardt das Ziel war und den Catch auf Höhe der 3 Yard Linie machte – nur knapp vor dem TD ins Aus gedrückt, dann kam wieder einmal die Stunde von“ Kult-Kicker“ Florian Dannehl. Seine Nervenstärke hat er seit dem German Bowl 2003 nicht verloren. Es ist ja „nur“ ein einfaches Fieldgoal. 4 Sekunden Spielzeit verblieben - Snap von Outlaw, v. Garnier stellt auf und Dannehl zieht das Ei bei auslaufender Uhr sicher von rechts Außen über 20 Yards durch die Stangen.
Ein unglaublich wichtiger Erfolg für die Devils – viel mehr als nur die 2 Punkte für die Tabelle. Das Team hat an sich geglaubt und hat gekämpft. HC Kirk Heidelberg, der sich beim TD Jubel nach dem Augleich einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen hat und zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht wurde, war dann auch in der Pressekonferenz noch sichtlich beeindruckt. Die ersten 3 Viertel waren das Schlechteste, was er von den Devils bisher gesehen hat – das letzte Viertel hat dann gezeigt, warum diese Mannschaft nie abgeschrieben werden darf. Die hassen es, zu verlieren und ein angeschlagenes Raubtier ist gefährlich. Eine unglaubliche Comeback – Leistung.
Javier Cook betonte dann, dass heute nicht die Devils gewonnen, sondern die Monarchs das Spiel verloren hatten. „Wir waren einfach nur dumm und unerfahren. Die Devils haben das Ding mit einer unglaublichen Routine noch gedreht“. Warum Donnel Brown beim letzten Spielzug nicht einfach das gemacht hat, was ihm von Cook gesagt wurde, nämlich noch ein bisschen Zeit von der Uhr nehmen und dann Kicken, konnte auch der sichtlich geknickte Headcoach der Dresdener nicht sagen.
Rückkehrer John v. Look betonte, dass sich die Defense im Laufe des Spiels immer besser gefunden hat und zum Ende des Spiels fast schon wieder die gewohnte Sicherheit und das gegenseitige Verständnis entwickeln konnte. Die Offense der Monarchs zeigte ein zu eindimensionales Spiel und wurde dadurch immer berechenbarer. Der Ausfall von Rico Meinhardt in den kommenden Spielen ist aber wieder einmal ein schwerer Schlag, der nun erstmal verkraftet werden muss.
Scoring:
00:07 Mollock, 60 Yard Run, PAT Hempel (1. / 08:10 Min)
00:14 Schnee, 30 Yard Pass von Brown, PAT Hempel (1. / 01:49 Min)
00:21 Schmiedel, 26 Yard Pass von Brown, PAT Hempel (2. / 03:10 Min)
07:21 v. Garnier, 2 Yard Pass von Outlaw, PAT Dannehl, 4. / 10:49 Min)
14:21 Gregersen, 54 Yard Pass von Outlaw, PAT Dannehl (4. / 7:35 Min)
21;21 v. Garnier, 7 Yard Pass von Outlaw, PAT Dannehl (4. / 01:02 Min)
24:21 Dannehl, 20 Yard FG (4. / 04:32 Sek.)
Presse
Hamburg Blue Devils
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