Spielbericht

12.10.2003
Threepeat geschafft! Devils gewinnen den Overtime-Krimi

In einem denkwürdigen Finale, das eigentlich keinen Verlierer verdient gehabt hätte, gingen die Hamburg Blue Devils am Ende als überglückliche Sieger vom Platz und sorgten für Gänsehaut pur bei ihren zahlreichen mitgereisten Fans. Allen, die leider nicht vor Ort dabei sein konnten, sei hiermit gesagt, dass sie ein einmaliges, einzigartiges Erlebnis verpasst haben, an das sich alle Anwesenden mit Sicherheit bis in alle Ewigkeit erinnern werden.
Aber wie beschreibt man solch ein Spiel, wenn einem eigentlich die Worte fehlen...?

Eins mal vorweg - im Nachhinein ist die Autorin dieses Spielberichts froh, dass sie sich kurzfristig entschieden hat, das Finale doch von der Pressetribüne aus zu verfolgen und nicht inmitten ihrer geliebten Mit-Fans, denn die Berichte über Weinkrämpfe und Kreischanfälle während der Overtime in deren Reihen lassen sie vermuten, dass es ihr wohl nicht anders ergangen wäre und dieser Bericht wohl so nicht zustande gekommen wäre. So jedoch konnte sie sich wenigstens halbwegs auf das nüchterne Erfassen des Gesehenen konzentrieren...

Gleich den ersten Drive konnten die Blue Devils erfolgreich abschließen. Nach einem 47 Yards-Touchdownpass von QB #17 Zach Witt auf WR #84 Marico Gregersen und dem anschließenden gelungenen PAT durch Florian Dannehl (#43) stand es 7:0. Aber die Braunschweig Lions konnten gleich im Gegenzug kontern und ließen auch schnell erkennen, dass sie mit ihrem Gameplan stark auf Laufversuche, hauptsächlich durch Kelvin Love (#4) und Kim Kuci (#28), setzen würden. Letztendlich wurde der Drive mit einem kurzen Touchdown-Lauf von Kelvin Love abgeschlossen, aber der anschließende Versuch einer Two Point Conversion durch Robert Flickinger (#40) misslang und so stand es nun 7:6 für die Devils.

Den nächsten Drive mussten die Blauen mit einem Punt beenden - Kelvin Love allerdings konnte das Lederei nicht festhalten, dieses wurde von den Devils gesichert, sie behielten also das Angriffsrecht und konnten diese Chance prompt in Zählbares umsetzen. RB #32 Curtis Cooper lief über 51 Yards in die Endzone und nachdem der PAT diesmal leider daneben ging, stand es nun 13:6.

Wiederum arbeiteten sich die Lions durch Läufe sicher in die Hamburger Redzone vor und es war erneut Kelvin Love, der mit einem 3 Yards-Run den nächsten Touchdown für die Lions erzielte, der PAT durch K #8 Marko Rothaar war gut und so stand es am Ende des ersten Quarters 13:13.

Nun konnten sowohl die Blue Devils als auch die Lions erstmals keinen Gewinn aus ihrem Angriffsrecht ziehen - beide Teams mussten schnell punten, wobei Lions-QB #3 Adrian Rainbow nun auch den starken Druck der Devils-Defense hautnah erfahren "durfte", DL #75 Vladi Ilic gelang ein QB-Sack, aber auch Zach Witt musste kurz danach ungebeten Bekanntschaft mit dem Wolfsburger Rasen machen. Ein Fieldgoal-Versuch durch Florian Dannehl aus 42 Yards geriet dann leider zu kurz, aber auch die Braunschweiger Offense kam jetzt immer mehr unter Druck, so musste Adrian Rainbow den nächsten QB-Sack hinnehmen, diesmal durch DB #40 Walter Reese. Also kamen die Blauen kurz vor Ende des zweiten Quarters nach einem geblockten Puntversuch durch Adrian Rainbow noch einmal in Ballbesitz, konnten aber trotz mehrerer Passversuche in den letzten 30 Sekunden der ersten Halbzeit keinen Touchdown mehr erzielen und der Fieldgoal-Versuch von Florian Dannehl aus knapp 40 Yards bei ablaufender Spielzeit wurde von den Lions geblockt.

Der erste Drive der zweiten Halbzeit brachte den dritten kurzen Touchdown-Run durch Kelvin Love, nachdem die Lions sich zuvor in altbewährter Weise mit Läufen von Love und Kuci, aber auch mit gelungenen Passversuchen auf die WR #6 David DeArmas und #81 Michael Aljancic in Richtung Hamburger Endzone vorgearbeitet hatten. Somit stand es 20:13 für die Lions (PAT Rothaar gut) und die Devils mussten kontern. Einige Läufe durch Curtis Cooper, ein Pass auf WR #80 Max von Garnier, ein QB-Keep von Zach Witt inklusive Strafe gegen die Lions brachten sie bis zur 21 Yards-Linie der Braunschweiger und von hier gab es dann den nächsten Touchdown-Pass auf Marico Gregersen, das Spiel blieb also ausgeglichen (PAT Dannehl gut).

Was den Lions in diesem Spiel zuvor stets gelungen war, nämlich den vierten Versuch auszuspielen und zum Firstdown zu kommen, klappte diesmal nicht. Also "turnover on downs" und Ballbesitz für die Blauen auf der 45 Yards-Linie der Braunschweiger. Läufe von Curtis Cooper, Pässe auf Max von Garnier, Cooper und TE #45 Andreas Nommensen und die Devils standen auf Grashalmlänge vor der Lions-Endzone. Nach einer Strafe wg. "illegal formation" (12 Spieler auf dem Feld - nicht zum einzigen Mal in diesem Spiel, na ja, die Nervostität...?) wurde auf Passversuche gesetzt, aber zwei Strafen wegen Offense-Pass Interference warfen den Hamburger Angriff zurück, so dass im vierten Down Florian Dannehl an der Reihe war, ein Fieldgoal aus 35 Yards zu schießen.

Mittlerweile hatte das vierte Quarter begonnen. Durch ein Fieldgoal von Marko Rothaar glichen die Braunschweig Lions aus und es stand 23:23. Im nächsten Drive mussten die Devils punten und die Lions kamen bei noch 3:38 Minuten zu spielen wieder in Ballbesitz. Ein wunderschöner Reverse-Spielzug mit einem langen Lauf von Kelvin Love brachte sie bis an die 1 Yard-Linie der Blue Devils und von dort lief Kim Kuci zum Touchdown in die Endzone. Auch der PAT durch Marko Rothaar (aus 18 Yards wg. eines "personal fouls") war gut und es stand 23:30 aus Sicht der Devils - bei noch 1:24 Minuten auf der Spieluhr. Nun kam Krimi-Kapitel Nr. 1: Kickoff Return duch WR #86 Thomie Venisee bis zur eigenen 45 Yards-Linie, Zach Witt unter Druck und läuft selbst, Holding-Strafe gegen die Lions, First Down auf der Braunschweiger 42 Yards-Linie, Pass auf Curtis Cooper, der läuft bis zur 30 Yards-Linie (noch 44 Sekunden). 5 Yards Strafe gegen die Devils, also First Down und 15, Pass auf Cooper, First Down auf der 6 Yards-Linie (noch 35 Sekunden), Pass auf Mega-Max (2 Yards), Timeout Devils (noch 29 Sekunden), 3 Yards-Lauf Cooper, Timeout Devils (noch 22 Sekunden). Noch 1 Yard zu gehen und Zach Witt lässt sich die Chance nicht entgehen und läuft selbst in die Endzone - Touchdown! Zittern und Bangen - klappt der PAT? Jaaaa - Florian Dannehl behält die Nerven! Es steht 30:30 (noch 19 Sekunden in der regulären Spielzeit). Was machen die Lions? Kickoff-Return durch DB #14 Doug Seidenstricker bis zur eigenen 42 Yards-Linie (noch 11 Sekunden). Pass auf Aljancic, First Down auf der Hamburger 46 Yards-Linie (noch 6 Sekunden). QB-Sack mit Raumverlust durch DB #38 Rico Meinhardt! Timeout Lions (noch 2 Sekunden). Adrian Rainbow mit einem Laufversuch - er rennt und rennt und schafft es nicht...!

Ende der regulären Spielzeit und Overtime! Zum zweiten Mal in der Geschichte des German Bowls wird ein Finale in der Verlängerung entschieden. Gespielt wird nach NCAA-Regeln, das heißt, beide Teams haben die Chance, jeweils von der gegnerischen 25 Yards-Linie aus zu Punkten zu kommen und das Spiel ist erst dann entschieden, wenn beide Teams ihren Versuch beendet haben und eins der beiden Teams dabei mehr Punkte als das andere erzielt hat. Folgt Krimi-Kapitel Nr. 2:
Die Hamburg Blue Devils gewinnen den Coin Toss und entscheiden sich, mit der Defense zu beginnen. Mit der bewährten Methode, Läufe von Kim Kuci und Kelvin Love, stehen die Lions schnell ganz kurz vor der Endzone und Kuci ist es dann auch, der den Touchdown erläuft. Aber dann - der PAT-Versuch durch Marko Rothaar geht daneben...!

Nun sind die Devils an der Reihe. Ein Pass von Zach Witt auf Marico Gregersen, First Down auf der 12 Yards-Linie. Timeout Devils. Danach ein Lauf von Curtis Cooper, der humpelt anschließend vom Platz. Noch 5 Yards zu gehen. Incomplete Pass auf Max, noch ein unvollständiger Passversuch auf Marico. Vierter und letzter Versuch... Incomplete! Oh nein!!! Die Braunschweiger Fans sind völlig aus dem Häuschen, die Hamburger sacken in sich zusammen. Aber da liegt ja noch so ein kleiner gelber Lappen in der Endzone... Banges Warten... Pass Interference Defense! First Down auf der 2 Yards-Linie, noch vier Chancen, weiter geht´s! Und Curtis Cooper kommt auch wieder auf das Spielfeld. Und was ist das jetzt? Der Ball ist frei und wird von den Braunschweigern erobert. Was sagen die Schiedsrichter...? Wieder Zittern... Die Refs entscheiden auf unvollständigen Vorwärtspass. Das Spiel ist doch noch nicht zu Ende. Wieder haben die Braunschweiger zu früh gejubelt. Nächster Versuch - aber erst einmal illegale Auswechslung, 5 Yards Strafe. Dann ein unvollständiger Passversuch in Richtung Thomie Venisee. Third Down - Pass wieder unvollständig. Jetzt aber, letzter Versuch! Jaaaa! Andreas "Nommi" Nommensen fängt das Ei in der Endzone! Ausgleich, 36:36. Behält jetzt Florian Dannehl die Nerven? Nicht wenige wagen gar nicht mehr, hinzusehen. Aber wo ist das Problem...? Sicher verwandelt Dannehl den PAT. Und der Rest des Abends ist nur noch Jubel und Emotion pur auf Seiten der Blauen! Bitter für die Braunschweiger, denn dieses Spiel hätte eigentlich nur Sieger verdient gehabt.

Marico Gregersen, der zum MVP des German Bowl XXV gewählt wurde, brachte es auf den Punkt: "Das war das beste Spiel, in dem ich je gespielt habe. Ich bin einfach überwältigt. Ein spannenderes Endspiel hat es noch nie gegeben. Großes Lob an die Mannschaft, wir haben immer an uns geglaubt. Danke an Zach Witt, dass er mir die Möglichkeiten gegeben hat. Danke auch an die O-Line und an Curtis Cooper. Für mich ist heute ein Traum in Erfüllung gegangen".
Und das gilt wohl seit gestern auch für alle Fans der Blauen. THREEPEAT!!! Eigentlich immer noch ohne Worte...
KT

Punkte für die Hamburg Blue Devils: Gregersen (#84) 12, Dannehl (#43) 7, Cooper (#32) 6, Witt (#17) 6, Nommensen (#45) 6
Punkte für die Braunschweig Lions: Love (#4) 18, Kuci (#28) 12, Rothaar (#8) 6
Zuschauer in der Volkswagen-Arena in Wolfsburg: 20517


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