| In einem denkwürdigen Finale, das eigentlich keinen Verlierer
verdient gehabt hätte, gingen die Hamburg Blue Devils am Ende
als überglückliche Sieger vom Platz und sorgten für
Gänsehaut pur bei ihren zahlreichen mitgereisten Fans. Allen,
die leider nicht vor Ort dabei sein konnten, sei hiermit gesagt,
dass sie ein einmaliges, einzigartiges Erlebnis verpasst haben,
an das sich alle Anwesenden mit Sicherheit bis in alle Ewigkeit
erinnern werden.
Aber wie beschreibt man solch ein Spiel, wenn einem eigentlich die
Worte fehlen...?
Eins mal vorweg - im Nachhinein ist die Autorin dieses Spielberichts
froh, dass sie sich kurzfristig entschieden hat, das Finale doch
von der Pressetribüne aus zu verfolgen und nicht inmitten ihrer
geliebten Mit-Fans, denn die Berichte über Weinkrämpfe
und Kreischanfälle während der Overtime in deren Reihen
lassen sie vermuten, dass es ihr wohl nicht anders ergangen wäre
und dieser Bericht wohl so nicht zustande gekommen wäre. So
jedoch konnte sie sich wenigstens halbwegs auf das nüchterne
Erfassen des Gesehenen konzentrieren...
Gleich den ersten Drive konnten die Blue Devils erfolgreich abschließen.
Nach einem 47 Yards-Touchdownpass von QB #17 Zach Witt auf WR #84
Marico Gregersen und dem anschließenden gelungenen PAT durch
Florian Dannehl (#43) stand es 7:0. Aber die Braunschweig Lions
konnten gleich im Gegenzug kontern und ließen auch schnell
erkennen, dass sie mit ihrem Gameplan stark auf Laufversuche, hauptsächlich
durch Kelvin Love (#4) und Kim Kuci (#28), setzen würden. Letztendlich
wurde der Drive mit einem kurzen Touchdown-Lauf von Kelvin Love
abgeschlossen, aber der anschließende Versuch einer Two Point
Conversion durch Robert Flickinger (#40) misslang und so stand es
nun 7:6 für die Devils.
Den nächsten Drive mussten die Blauen mit einem Punt beenden
- Kelvin Love allerdings konnte das Lederei nicht festhalten, dieses
wurde von den Devils gesichert, sie behielten also das Angriffsrecht
und konnten diese Chance prompt in Zählbares umsetzen. RB #32
Curtis Cooper lief über 51 Yards in die Endzone und nachdem
der PAT diesmal leider daneben ging, stand es nun 13:6.
Wiederum arbeiteten sich die Lions durch Läufe sicher in die
Hamburger Redzone vor und es war erneut Kelvin Love, der mit einem
3 Yards-Run den nächsten Touchdown für die Lions erzielte,
der PAT durch K #8 Marko Rothaar war gut und so stand es am Ende
des ersten Quarters 13:13.
Nun konnten sowohl die Blue Devils als auch die Lions erstmals keinen
Gewinn aus ihrem Angriffsrecht ziehen - beide Teams mussten schnell
punten, wobei Lions-QB #3 Adrian Rainbow nun auch den starken Druck
der Devils-Defense hautnah erfahren "durfte", DL #75 Vladi
Ilic gelang ein QB-Sack, aber auch Zach Witt musste kurz danach
ungebeten Bekanntschaft mit dem Wolfsburger Rasen machen. Ein Fieldgoal-Versuch
durch Florian Dannehl aus 42 Yards geriet dann leider zu kurz, aber
auch die Braunschweiger Offense kam jetzt immer mehr unter Druck,
so musste Adrian Rainbow den nächsten QB-Sack hinnehmen, diesmal
durch DB #40 Walter Reese. Also kamen die Blauen kurz vor Ende des
zweiten Quarters nach einem geblockten Puntversuch durch Adrian
Rainbow noch einmal in Ballbesitz, konnten aber trotz mehrerer Passversuche
in den letzten 30 Sekunden der ersten Halbzeit keinen Touchdown
mehr erzielen und der Fieldgoal-Versuch von Florian Dannehl aus
knapp 40 Yards bei ablaufender Spielzeit wurde von den Lions geblockt.
Der erste Drive der zweiten Halbzeit brachte den dritten kurzen
Touchdown-Run durch Kelvin Love, nachdem die Lions sich zuvor in
altbewährter Weise mit Läufen von Love und Kuci, aber
auch mit gelungenen Passversuchen auf die WR #6 David DeArmas und
#81 Michael Aljancic in Richtung Hamburger Endzone vorgearbeitet
hatten. Somit stand es 20:13 für die Lions (PAT Rothaar gut)
und die Devils mussten kontern. Einige Läufe durch Curtis Cooper,
ein Pass auf WR #80 Max von Garnier, ein QB-Keep von Zach Witt inklusive
Strafe gegen die Lions brachten sie bis zur 21 Yards-Linie der Braunschweiger
und von hier gab es dann den nächsten Touchdown-Pass auf Marico
Gregersen, das Spiel blieb also ausgeglichen (PAT Dannehl gut).
Was den Lions in diesem Spiel zuvor stets gelungen war, nämlich
den vierten Versuch auszuspielen und zum Firstdown zu kommen, klappte
diesmal nicht. Also "turnover on downs" und Ballbesitz
für die Blauen auf der 45 Yards-Linie der Braunschweiger. Läufe
von Curtis Cooper, Pässe auf Max von Garnier, Cooper und TE
#45 Andreas Nommensen und die Devils standen auf Grashalmlänge
vor der Lions-Endzone. Nach einer Strafe wg. "illegal formation"
(12 Spieler auf dem Feld - nicht zum einzigen Mal in diesem Spiel,
na ja, die Nervostität...?) wurde auf Passversuche gesetzt,
aber zwei Strafen wegen Offense-Pass Interference warfen den Hamburger
Angriff zurück, so dass im vierten Down Florian Dannehl an
der Reihe war, ein Fieldgoal aus 35 Yards zu schießen.
Mittlerweile hatte das vierte Quarter begonnen. Durch ein Fieldgoal
von Marko Rothaar glichen die Braunschweig Lions aus und es stand
23:23. Im nächsten Drive mussten die Devils punten und die
Lions kamen bei noch 3:38 Minuten zu spielen wieder in Ballbesitz.
Ein wunderschöner Reverse-Spielzug mit einem langen Lauf von
Kelvin Love brachte sie bis an die 1 Yard-Linie der Blue Devils
und von dort lief Kim Kuci zum Touchdown in die Endzone. Auch der
PAT durch Marko Rothaar (aus 18 Yards wg. eines "personal fouls")
war gut und es stand 23:30 aus Sicht der Devils - bei noch 1:24
Minuten auf der Spieluhr. Nun kam Krimi-Kapitel Nr. 1: Kickoff Return
duch WR #86 Thomie Venisee bis zur eigenen 45 Yards-Linie, Zach
Witt unter Druck und läuft selbst, Holding-Strafe gegen die
Lions, First Down auf der Braunschweiger 42 Yards-Linie, Pass auf
Curtis Cooper, der läuft bis zur 30 Yards-Linie (noch 44 Sekunden).
5 Yards Strafe gegen die Devils, also First Down und 15, Pass auf
Cooper, First Down auf der 6 Yards-Linie (noch 35 Sekunden), Pass
auf Mega-Max (2 Yards), Timeout Devils (noch 29 Sekunden), 3 Yards-Lauf
Cooper, Timeout Devils (noch 22 Sekunden). Noch 1 Yard zu gehen
und Zach Witt lässt sich die Chance nicht entgehen und läuft
selbst in die Endzone - Touchdown! Zittern und Bangen - klappt der
PAT? Jaaaa - Florian Dannehl behält die Nerven! Es steht 30:30
(noch 19 Sekunden in der regulären Spielzeit). Was machen die
Lions? Kickoff-Return durch DB #14 Doug Seidenstricker bis zur eigenen
42 Yards-Linie (noch 11 Sekunden). Pass auf Aljancic, First Down
auf der Hamburger 46 Yards-Linie (noch 6 Sekunden). QB-Sack mit
Raumverlust durch DB #38 Rico Meinhardt! Timeout Lions (noch 2 Sekunden).
Adrian Rainbow mit einem Laufversuch - er rennt und rennt und schafft
es nicht...!
Ende der regulären Spielzeit und Overtime! Zum zweiten Mal
in der Geschichte des German Bowls wird ein Finale in der Verlängerung
entschieden. Gespielt wird nach NCAA-Regeln, das heißt, beide
Teams haben die Chance, jeweils von der gegnerischen 25 Yards-Linie
aus zu Punkten zu kommen und das Spiel ist erst dann entschieden,
wenn beide Teams ihren Versuch beendet haben und eins der beiden
Teams dabei mehr Punkte als das andere erzielt hat. Folgt Krimi-Kapitel
Nr. 2:
Die Hamburg Blue Devils gewinnen den Coin Toss und entscheiden sich,
mit der Defense zu beginnen. Mit der bewährten Methode, Läufe
von Kim Kuci und Kelvin Love, stehen die Lions schnell ganz kurz
vor der Endzone und Kuci ist es dann auch, der den Touchdown erläuft.
Aber dann - der PAT-Versuch durch Marko Rothaar geht daneben...!
Nun sind die Devils an der Reihe. Ein Pass von Zach Witt auf Marico
Gregersen, First Down auf der 12 Yards-Linie. Timeout Devils. Danach
ein Lauf von Curtis Cooper, der humpelt anschließend vom Platz.
Noch 5 Yards zu gehen. Incomplete Pass auf Max, noch ein unvollständiger
Passversuch auf Marico. Vierter und letzter Versuch... Incomplete!
Oh nein!!! Die Braunschweiger Fans sind völlig aus dem Häuschen,
die Hamburger sacken in sich zusammen. Aber da liegt ja noch so
ein kleiner gelber Lappen in der Endzone... Banges Warten... Pass
Interference Defense! First Down auf der 2 Yards-Linie, noch vier
Chancen, weiter geht´s! Und Curtis Cooper kommt auch wieder
auf das Spielfeld. Und was ist das jetzt? Der Ball ist frei und
wird von den Braunschweigern erobert. Was sagen die Schiedsrichter...?
Wieder Zittern... Die Refs entscheiden auf unvollständigen
Vorwärtspass. Das Spiel ist doch noch nicht zu Ende. Wieder
haben die Braunschweiger zu früh gejubelt. Nächster Versuch
- aber erst einmal illegale Auswechslung, 5 Yards Strafe. Dann ein
unvollständiger Passversuch in Richtung Thomie Venisee. Third
Down - Pass wieder unvollständig. Jetzt aber, letzter Versuch!
Jaaaa! Andreas "Nommi" Nommensen fängt das Ei in
der Endzone! Ausgleich, 36:36. Behält jetzt Florian Dannehl
die Nerven? Nicht wenige wagen gar nicht mehr, hinzusehen. Aber
wo ist das Problem...? Sicher verwandelt Dannehl den PAT. Und der
Rest des Abends ist nur noch Jubel und Emotion pur auf Seiten der
Blauen! Bitter für die Braunschweiger, denn dieses Spiel hätte
eigentlich nur Sieger verdient gehabt.
Marico Gregersen, der zum MVP des German Bowl XXV gewählt wurde,
brachte es auf den Punkt: "Das war das beste Spiel, in dem
ich je gespielt habe. Ich bin einfach überwältigt. Ein
spannenderes Endspiel hat es noch nie gegeben. Großes Lob
an die Mannschaft, wir haben immer an uns geglaubt. Danke an Zach
Witt, dass er mir die Möglichkeiten gegeben hat. Danke auch
an die O-Line und an Curtis Cooper. Für mich ist heute ein
Traum in Erfüllung gegangen".
Und das gilt wohl seit gestern auch für alle Fans der Blauen.
THREEPEAT!!! Eigentlich immer noch ohne Worte...
KT
Punkte für die Hamburg Blue Devils: Gregersen (#84) 12, Dannehl
(#43) 7, Cooper (#32) 6, Witt (#17) 6, Nommensen (#45) 6
Punkte für die Braunschweig Lions: Love (#4) 18, Kuci (#28)
12, Rothaar (#8) 6
Zuschauer in der Volkswagen-Arena in Wolfsburg: 20517
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