| Nach Kampf um den Sieg folgt nun Kampf ums Überleben. Unter
dem Motto „Rivalität ist nicht alles, aber gesund“
war der frischgebackene Eurobowlsieger aus Braunschweig zu seinem
Gastspiel in Hamburg angetreten. Schon im Vorfeld hatten die Löwenstädter
mit allerlei Aktionen versucht, die finanziell angeschlagenen Devils
zu unterstützen und ihnen zu helfen, wo sie nur konnten. Neben
Unterstützung mit Tombolapreisen und Hilfe beim Verkauf der
Stadionzeitung waren die etwa 1000 mitgereisten Fans sicher auch
eine große Unterstützung für die blauen Teufel.
Selbst die Spieler der Braunschweig Lions standen ihren Anhängern
in nichts nach und verteilten auf dem ungewohnt grünen Rasen
der AOL-Arena ihrerseits Gastgeschenke. Einige Zuschauer rieben
sich verwundert die Augen, als sie nach dem ersten Spielzug ihrer
blauen Teufel auf das Scoreboard schauten. 7:0 für ihre Teufel,
denn Curtis Cooper (#32) hatte sich, nachdem die Lions den Ball
bereits nach vier Versuchen abgeben mussten, den Ball geschnappt
und ihn über 55 Yards in die Endzone der Lions getragen. Die
Suche nach gelben Flaggen blieb diesmal erfolglos und so gingen
die Gastgeber bereits nach 86 Sekunden in Führung. Den Lions
blieben wieder nur vier Versuche, aber gegen die bärenstarke
Defense der Teufel gab es in der Anfangsphase der Partie einfach
nichts zu holen. „Die Defense der Teufel machte ihre Arbeit
einfach großartig“ erkannte Lions-Headchoach Troy Tomlin
neidlos an, „wir hatten überhaupt keine Zeit, unsere
Spielzüge zu spielen.“
Die Offense der Gastgeber machte es dagegen besser und baute die
Führung nach einem Fieldgoal von Florian Dannehl (#43) auf
10:0 aus. Im anschließenden Drive erspielten sich die Gäste
dann endlich ihr erstes First Down, aber es sollte zunächst
das einzige bleiben, denn kurze Zeit später waren die Hamburger
nach einem Punt wieder in Ballbesitz und es war wieder Curtis Cooper
(#32), der den Ball letztendlich in die Endzone der Lions trug und
für die 17:0-Führung sorgte.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Braunschweiger überhaupt
nicht wiederzuerkennen. Bisher führten sie souverän und
ungeschlagen die Tabelle der Gruppe Nord an und in Hamburg präsentierten
sie sich harmlos und ohne Biß. Erst drei Sekunden vor der
Pause gelang ihnen durch einen Pass auf Drane (#8) der Anschluß
zum 17:7. In Halbzeit zwei bot sich zunächst ein unverändertes
Bild. Die Devils, dank 2nd half option in Ballbesitz, kämpften
sich Yard um Yard in Richtung Endzone der Gäste vor und Curtis
Cooper (#32) sorgte mit Touchdown Nummer drei für das 24:7.
Jetzt gab es für die Devilsfans unter den 9600 Zuschauern kein
Halten mehr. Jeder spürte, dass die Überraschung möglich
war und die Blue Devils zum Eurobowlsiegerbesieger werden konnten.
Aber mit einem Doppelschlag innerhalb von 74 Sekunden waren die
Lions plötzlich wieder im Spiel und es wurde im letzen Quarter
noch einmal richtig spannend.
Das änderte sich auch nach einem Fieldgoal von Florian Dannehl
(#43), der sein Team mit 27:21 in Führung brachte, nicht. Ein
Touchdown würde den Löwenstädtern in den verbleibenden
7:35 min reichen, um doch noch als Sieger vom Platz zu gehen. Beide
Fangruppen unterstützten ihre Teams nun mit allen Kräften,
aber es gab einfach kein Durchkommen durch die gut stehende Defense
der Hamburger. Und so reichte es am Ende tatsächlich zum verdienten
27:21 Sieg der Hamburg Blue Devils über die Braunschweig Lions.
MVP des Spiels wurde der wiedergenesene Curtis Cooper (#32), der
mit beeindruckenden 173 Yards fast doppelt soviele Yards erspielte,
wie die gesamte Offense der Gäste zusammen. Hinzu kamen noch
drei Touchdowns. „Das Laufen war viel, viel schwerer heute
als es die Statistik aussagt. Die Lions haben es uns gar nicht so
einfach gemacht“, kommentierte Cooper (#32) seine Topleistung
nach dem Spiel.
Diesen Kampf haben die Devils gewonnen, ein weiterer, viel schwererer,
steht ihnen aber in den nächsten Tagen bevor. Am ersten August
muss Dr.Büchler, vorläufiger Insolvenzverwalter der Hamburg
Blue Devils, sein Gutachten über die Situation des Vereins
beim Amtsgericht vorlegen. Er macht ganz klar, dass es unter den
derzeitigen Gegebenheiten nicht gut um den Verein bestellt ist.
„Es fehlen 50.000 - 130.000 Euro zur Absicherung der restlichen
Saison und damit dem Fortbestand der Devils, je nachdem wie kooperativ
sich die Sponsoren verhalten.“ Es bleibt also spannend in
den nächsten Tagen und Wochen, denn den Kampf ums Überleben
können die Devils leider nicht aus eigenen Kräften auf
dem Spielfeld entscheiden. Hier sind sie auf Hilfe von außen
angewiesen. Go blue, fight and win – jetzt erst recht!
StG
Stimmen zum Spiel:
Troy Tomlin (Headcoach B.Lions): Wir hatten zwar
einige Ausfälle zu beklagen, aber das war heute auf keinen
Fall spielentscheidend. Die Defense der Teufel machte ihre Arbeit
einfach großartig, wir hatten überhaupt keine Zeit, unsere
Spielzüge zu spielen. Zum Fall Kelvin Love wird es in den nächsten
Tagen wohl eine Pressemeldung geben. Mal sehen, ob er weiter für
uns spielen wird.
Didi Stolze (Sportdirektor HBD): Das war heute
eine gelungene Veranstaltung. Man hat glaube ich gesehen, dass die
Mannschaft keine Insolvenz anmelden muss. Wir haben gewonnen und
das konnten auch die Schiris nicht verhindern. Über die Schiris
reden wir heute aber lieber nicht weiter. Sie waren da und die vorgeschriebene
Anzahl von sieben war erfüllt. Ich möchte mich lieber
bei den Braunschweigern bedanken, dass sie uns im Vorfeld so toll
unterstützt haben. Doug Seidenstricker (MVP B.Lions): Was soll
ich sagen? Das Spiel ist ganz einfach. Es spielen 11 gegen 11 und
am Ende musst du gewinnen. Heute war Hamburg einfach besser!
Kirk Heidelberg (Head Coach HBD): Die Braunschweig
Lions haben ein Top-Team. Aber unsere Defense hat heute ein tolles
Spiel abgeliefert. Über die vielen Strafen möchte ich
lieber nicht sprechen.
Curtis Cooper (MVP HBD): Das Laufen war viel,
viel schwerer heute als es die Statistik aussagt. Die Lions haben
es uns gar nicht so einfach gemacht. stg
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