Spielbericht

20.07.2003
Eurobowlsieger in Hamburg ohne Chance

Nach Kampf um den Sieg folgt nun Kampf ums Überleben. Unter dem Motto „Rivalität ist nicht alles, aber gesund“ war der frischgebackene Eurobowlsieger aus Braunschweig zu seinem Gastspiel in Hamburg angetreten. Schon im Vorfeld hatten die Löwenstädter mit allerlei Aktionen versucht, die finanziell angeschlagenen Devils zu unterstützen und ihnen zu helfen, wo sie nur konnten. Neben Unterstützung mit Tombolapreisen und Hilfe beim Verkauf der Stadionzeitung waren die etwa 1000 mitgereisten Fans sicher auch eine große Unterstützung für die blauen Teufel.

Selbst die Spieler der Braunschweig Lions standen ihren Anhängern in nichts nach und verteilten auf dem ungewohnt grünen Rasen der AOL-Arena ihrerseits Gastgeschenke. Einige Zuschauer rieben sich verwundert die Augen, als sie nach dem ersten Spielzug ihrer blauen Teufel auf das Scoreboard schauten. 7:0 für ihre Teufel, denn Curtis Cooper (#32) hatte sich, nachdem die Lions den Ball bereits nach vier Versuchen abgeben mussten, den Ball geschnappt und ihn über 55 Yards in die Endzone der Lions getragen. Die Suche nach gelben Flaggen blieb diesmal erfolglos und so gingen die Gastgeber bereits nach 86 Sekunden in Führung. Den Lions blieben wieder nur vier Versuche, aber gegen die bärenstarke Defense der Teufel gab es in der Anfangsphase der Partie einfach nichts zu holen. „Die Defense der Teufel machte ihre Arbeit einfach großartig“ erkannte Lions-Headchoach Troy Tomlin neidlos an, „wir hatten überhaupt keine Zeit, unsere Spielzüge zu spielen.“

Die Offense der Gastgeber machte es dagegen besser und baute die Führung nach einem Fieldgoal von Florian Dannehl (#43) auf 10:0 aus. Im anschließenden Drive erspielten sich die Gäste dann endlich ihr erstes First Down, aber es sollte zunächst das einzige bleiben, denn kurze Zeit später waren die Hamburger nach einem Punt wieder in Ballbesitz und es war wieder Curtis Cooper (#32), der den Ball letztendlich in die Endzone der Lions trug und für die 17:0-Führung sorgte.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Braunschweiger überhaupt nicht wiederzuerkennen. Bisher führten sie souverän und ungeschlagen die Tabelle der Gruppe Nord an und in Hamburg präsentierten sie sich harmlos und ohne Biß. Erst drei Sekunden vor der Pause gelang ihnen durch einen Pass auf Drane (#8) der Anschluß zum 17:7. In Halbzeit zwei bot sich zunächst ein unverändertes Bild. Die Devils, dank 2nd half option in Ballbesitz, kämpften sich Yard um Yard in Richtung Endzone der Gäste vor und Curtis Cooper (#32) sorgte mit Touchdown Nummer drei für das 24:7. Jetzt gab es für die Devilsfans unter den 9600 Zuschauern kein Halten mehr. Jeder spürte, dass die Überraschung möglich war und die Blue Devils zum Eurobowlsiegerbesieger werden konnten. Aber mit einem Doppelschlag innerhalb von 74 Sekunden waren die Lions plötzlich wieder im Spiel und es wurde im letzen Quarter noch einmal richtig spannend.

Das änderte sich auch nach einem Fieldgoal von Florian Dannehl (#43), der sein Team mit 27:21 in Führung brachte, nicht. Ein Touchdown würde den Löwenstädtern in den verbleibenden 7:35 min reichen, um doch noch als Sieger vom Platz zu gehen. Beide Fangruppen unterstützten ihre Teams nun mit allen Kräften, aber es gab einfach kein Durchkommen durch die gut stehende Defense der Hamburger. Und so reichte es am Ende tatsächlich zum verdienten 27:21 Sieg der Hamburg Blue Devils über die Braunschweig Lions.

MVP des Spiels wurde der wiedergenesene Curtis Cooper (#32), der mit beeindruckenden 173 Yards fast doppelt soviele Yards erspielte, wie die gesamte Offense der Gäste zusammen. Hinzu kamen noch drei Touchdowns. „Das Laufen war viel, viel schwerer heute als es die Statistik aussagt. Die Lions haben es uns gar nicht so einfach gemacht“, kommentierte Cooper (#32) seine Topleistung nach dem Spiel.

Diesen Kampf haben die Devils gewonnen, ein weiterer, viel schwererer, steht ihnen aber in den nächsten Tagen bevor. Am ersten August muss Dr.Büchler, vorläufiger Insolvenzverwalter der Hamburg Blue Devils, sein Gutachten über die Situation des Vereins beim Amtsgericht vorlegen. Er macht ganz klar, dass es unter den derzeitigen Gegebenheiten nicht gut um den Verein bestellt ist. „Es fehlen 50.000 - 130.000 Euro zur Absicherung der restlichen Saison und damit dem Fortbestand der Devils, je nachdem wie kooperativ sich die Sponsoren verhalten.“ Es bleibt also spannend in den nächsten Tagen und Wochen, denn den Kampf ums Überleben können die Devils leider nicht aus eigenen Kräften auf dem Spielfeld entscheiden. Hier sind sie auf Hilfe von außen angewiesen. Go blue, fight and win – jetzt erst recht!
StG

Stimmen zum Spiel:

Troy Tomlin (Headcoach B.Lions): Wir hatten zwar einige Ausfälle zu beklagen, aber das war heute auf keinen Fall spielentscheidend. Die Defense der Teufel machte ihre Arbeit einfach großartig, wir hatten überhaupt keine Zeit, unsere Spielzüge zu spielen. Zum Fall Kelvin Love wird es in den nächsten Tagen wohl eine Pressemeldung geben. Mal sehen, ob er weiter für uns spielen wird.

Didi Stolze (Sportdirektor HBD): Das war heute eine gelungene Veranstaltung. Man hat glaube ich gesehen, dass die Mannschaft keine Insolvenz anmelden muss. Wir haben gewonnen und das konnten auch die Schiris nicht verhindern. Über die Schiris reden wir heute aber lieber nicht weiter. Sie waren da und die vorgeschriebene Anzahl von sieben war erfüllt. Ich möchte mich lieber bei den Braunschweigern bedanken, dass sie uns im Vorfeld so toll unterstützt haben. Doug Seidenstricker (MVP B.Lions): Was soll ich sagen? Das Spiel ist ganz einfach. Es spielen 11 gegen 11 und am Ende musst du gewinnen. Heute war Hamburg einfach besser!

Kirk Heidelberg (Head Coach HBD): Die Braunschweig Lions haben ein Top-Team. Aber unsere Defense hat heute ein tolles Spiel abgeliefert. Über die vielen Strafen möchte ich lieber nicht sprechen.

Curtis Cooper (MVP HBD): Das Laufen war viel, viel schwerer heute als es die Statistik aussagt. Die Lions haben es uns gar nicht so einfach gemacht. stg


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