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Huddle:
Die Kritiker in den eigenen Reihen haben viele Behauptungen in den
Raum gestellt. Was ist an den Vorwürfen wahr? Ist die Blue Devils
Betriebs GmbH wirklich herzlos? Sind die Vorwürfe zum Beispiel eines
Didi Stolzes gerechtfertigt?
Steffens:
Die Blue Devils waren finanziell am Abgrund, standen unter
Insolvenzverwaltung. Der Ausstieg aus der laufenden Saison drohte.
Aber wir haben es geschafft und eine solide Basis geschaffen. Keine
Frage es war ein steiniger Weg .
Um den Blue Devils wieder eine
Zukunftsperspektive zu geben, waren zum Teil schmerzhafte
Einschnitte nötig. Diese als herzlos zu bezeichnen, steht natürlich
jedem frei. Es gab aber leider keine Alternative. Dass die
Überbringer schlechter Botschaften oft für diese verantwortlich
gemacht werden, liegt wohl in der Natur des Menschen und verletzte
persönliche Eitelkeiten ebenso, nur sollte dies nicht den Blick auf
das Wesentliche verstellen: Die Blue Devils leben und wir können, im
Gegensatz zu diesem Jahr, rechtzeitig und unter professionellen
Rahmenbedingungen an der Planung der nächsten Saison arbeiten.
Huddle:
Ein Kritikpunkt besteht in der Frage, was darf der Investor und
Geschäftsführer, was obliegt dem Vorstand des e.V.`s.
Steffens:
Wir haben hier eine klare Aufgabenverteilung. Die Betriebs GmbH
sorgt für das betriebswirtschaftliche Umfeld innerhalb dessen die
sportliche Leitung des Vereins die Vorraussetzungen für den Erfolg
auf dem Rasen schafft. Natürlich gibt es ein enges
Beziehungsgeflecht zwischen beiden Organisationen. Schließlich
stehen der sportliche und wirtschaftliche Erfolg in einer direkten
Wechselbeziehung, die aber natürlich auch von weiteren Faktoren, wie
dem persönlichem Engagement unserer vielen ehrenamtlichen
Mitarbeiter, dem Teamgeist usw. beeinflusst werden.
Überhaupt steht bei uns der Teamgedanke auch
abseits des Spielfeldes im Vordergrund. Die Kompetenzen sind klar
geregelt. Florian Dannehl ist für die sportlichen Belange
verantwortlich, Erik Herklotz und ich für die wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen. Die Kompetenzverteilungen (BetriebsGmbH und
VermarktungsGmbH) ist zusammen mit dem Vorstand des Vereins, dem
Insolvenzverwalter Dr. Büchler erarbeitet und bei der letzten
Mitgliederversammlung bestätigt worden. Daran haben sich alle zu
halten.
Huddle:
Wie beurteilt Dr. Büchler die zerrütteten Verhältnisse ?
Steffens:
Von zerrütteten Verhältnissen kann keine Rede sein. Dr. Büchler
hat uns aus der Insolvenzverwaltung entlassen, weil wir klare
Verhältnisse geschaffen, solide gearbeitet und die Rahmenbedingungen
für eine erfolgreiche, sportliche und wirtschaftliche Zukunft der
Blue Devils geschaffen haben.
Hätten wir keine neuen Strukturen geschaffen,
gäbe es die Blue Devils zumindest als Mitglied der GFL nicht mehr.
Dass notwendige Veränderungen von einigen als Zerrüttung empfunden
werden, bedauere ich zutiefst. Ich denke aber diese Einschätzung
basiert auf der Enttäuschung persönlicher Interessen. Diese müssen
aber zum Wohle des Ganzen, nämlich des Teams, der Mitarbeiter und
der Fans der Blue Devils zurückstehen.
Huddle:
Sie waren einer der Initiatoren, mit der NFLE Kontakt
aufzunehmen. Was bezwecken Sie mit diesem Engagement ? Hat es sich
gelohnt. Möglicherweise wird nun die NFLE in Hamburg Einzug halten.
Steffens:
Wir haben den Kontakt mit der NFLE erst nach reiflicher
Überlegung aufgenommen. Nach genauer Analyse der Situation, dem
Abwägen des Für und Wider haben wir konkrete Kooperationspläne
erarbeitet, die für beide Seiten Vorteile bringen. Da die
Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, nenne ich konkret hier
nur das Stichwort: Gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen, wie
Trainingsgelände, Equipment usw. Es ergeben sich Synergieeffekte,
die der Qualität der Arbeit im sportlichen und wirtschaftlichen
Bereich zu Gute kommen. Außerdem würde der Einzug der NFLE das
Interesse am American Football in Hamburg im Allgemeinen weiter
steigern. Um diesen Effekt für die Blue Devils in den Bereichen
Zuschauerzahlen, Sponsoring, Merchandising und Pressearbeit optimal
zu nutzen, haben wir auch hier konkrete Pläne in der Schublade.
Huddle:
Glauben Sie, daß eine Kooperation mit der NFLE möglich sein
wird, wenn sie nach HH kommt, ohne die Devils in ihrem Bestand zu
gefährden ?
Steffens:
Wir sind davon überzeugt, dass das der Fall sein wird, ohne den
Bestand der Blue Devils zu gefährden. Dies war und ist unsere
Motivation eine Kooperation mit der NFLE anzustreben.
Huddle:
Welche Fehler haben Sie in diesem Jahr zu verantworten ? Was
wurde besonders gut gemacht ?
Steffens:
Wer viel macht, macht auch mal etwas falsch. Sollte man deshalb die
Hände in den Schoß legen? Die entscheidende Frage ist doch, lerne
ich aus meinen Fehlern? Wir sind in der ersten Runde der Play - Offs
gescheitert. Dies bedeutet für uns, wir haben Fehler gemacht, denn
unser Ziel war es, wie in den vergangenen Jahren Deutscher Meister
zu werden. Einzelne große Fehler haben wir aber innerhalb unserer
Saisonanalyse nicht feststellen können. Es waren viel mehr eine
Reihe von kleinen Versäumnissen, die sich im Nachhinein leider
negativ bemerkbar gemacht haben. Die Hauptschwierigkeit in der
vergangenen Saison bestand darin, dass wir erst ab dem 1.1.2004 mit
der Planung der neuen Saison beginnen konnten. Dies war neben den
finanziellen Vorgaben eine Hauptauflage des Insolvenzverwalters. Die
Last der Arbeit war dadurch auf zu wenigen Schultern verteilt. Trotz
dieser äußerst widrigen Umstände haben wir es geschafft die
komplette Saison zu bestreiten. Gleichzeitig haben wird das
Vertrauen der Sponsoren zurück gewonnen und die Blue Devils haben
wieder eine ausgezeichnete Perspektive für die Zukunft. Unser
Respekt und Dank geht an die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, Fans
und Sponsoren die den Blue Devils in dieser schweren Zeit die Treue
gehalten haben. Ohne Sie wäre diese Wiederauferstehung nicht möglich
gewesen.
Huddle:
Spüren Sie noch, daß die Mehrheit der ehrenamtlichen Devils mit
Ihnen zusammen arbeitet.
Steffens:
Die Signale sind durchweg positiv. Es ist etwas in Bewegung. Es
herrscht eine erfreuliche Aufbruchsstimmung. Wir geben alles, um an
die Erfolge der letzten Jahre anzuknüpfen und das überträgt sich auf
die Spieler, ehrenamtlichen Mitarbeiter und nicht zuletzt auch auf
die Fans. Der Hamburg Blue Devils Förderkreis, die Supporters, der
Supporters Club und alle anderen, die sich für die Rettung der Blue
Devils eingesetzt haben, verdienen jetzt Kontinuität, Sicherheit und
Transparenz.
Huddle:
Wieviel Kritik ist noch ertragbar, um eine zweite Saison
durchzuhalten ?
Steffens:
Kritik ist gut und notwendig, wenn sie sachlich und fundiert
ist. Sie hilft uns unsere Arbeit für die Blue Devils weiter zu
optimieren. Wer keine Kritik vertragen kann, wird sich nicht weiter
entwickeln, aber genau das ist es, was wir wollen; uns weiter
verbessern. Insofern werten wir Kritik an unserer Arbeit als
positiv, weil sie zeigt, dass ein großes Interesse an den Blue
Devils besteht.
Allerdings haben wir uns eins ums andere Mal
gewünscht, dass Kritik direkt an uns herangetragen worden wäre und
wir sie nicht in der Zeitung oder Im Huddle hätten lesen müssen.
Huddle:
Wie man so hört, versuchen Sie zur Zeit die im Umlauf befindlichen
Devils Plagiate und illegalen Verwendungen des Logos zu bekämpfen.
Wie gehen Sie in dieser Sache vor und was versprechen Sie sich davon
?
Steffens:
Irgendwie fühlen wir uns auch geschmeichelt, dass wir Opfer von
solchen Machenschaften werden. Zeigt es doch welchen Wert die Marke
Blue Devils besitzt. Aber, Plagiate und die illegale Verwendung des
Logos sind Betrug zu Lasten der Blue Devils und deren Fans. Es
entsteht materieller Schaden und das Ansehen in der Öffentlichkeit
leidet.
Dies werden wir nicht tolerieren. Im Interesse
der Blue Devils und der Fans werden wir mit allen zur Verfügung
stehenden Mitteln dagegen vorgehen. Für einen Sportverein ein
ärgerlicher, aber leider zum Alltag gewordener Vorgang -
Trittbrettfahrer, die auf Kosten anderer abkassieren.
Huddle:
Wie geht es 2005 weiter ? Das Stadion Millerntor ist zu
teuer, ein Großteil der Mannschaft hört auf zu spielen. Es scheint
so, als wenn die Devils keine Zukunft mehr haben ? Wo liegen die
Perspektiven ?
Steffens:
Das Jahr der Konsolidierung ist vorbei und wir werden 2005
wieder voll angreifen. Unser Ziel ist eine kontinuierliche
sportliche Entwicklung.
Zur Zeit planen wir mit einem Trainerstab von
fünf Coaches in Vollzeit, darunter einen Head Coach, und drei in
Teilzeit. Besonders froh sind wir, alte Haudegen wie zum Beispiel
Berhard Rozic und Vladi Ilic mit an Bord zu haben. Hinzu kommt Horst
Meinhardt als Athletic Coach, dessen Engagement vor allem in der
Saisonvorbereitung im Winter weiter ausgebaut wird.
Der Kader wird etwa 70 Spieler umfassen. Durch
die neue Transparenz und die hervorragende Perspektive der Blue
Devils ist die Zusammenstellung des Kaders schon recht weit
fortgeschritten. Bezahlt macht sich dabei auch wieder einmal unsere
sehr erfolgreiche Jugendarbeit. Mit unserem professionellen
Trainerstab und unserem eigenen Trainingsgelände schaffen wir
optimale Rahmenbedingungen für die persönliche Weiterentwicklung der
Spieler. Unter diesen Vorraussetzungen sind wir in der Lage, ein
Team zusammen zu stellen, das bei der Titelvergabe in der nächsten
Saison auf jeden Fall ein Wörtchen mitreden wird.
Die Frage der Spielstätte ist noch nicht
endgültig geklärt. Aber auch hier wollen wir neue Wege gehen und
setzen dabei auf Kontinuität. Die Hamburg Blue Devils brauchen
endlich ein eigenes zu Hause! |