18.11.2004

Huddle-Interview mit Carsten P. Steffens


Huddle:
Die Kritiker in den eigenen Reihen haben viele Behauptungen in den Raum gestellt. Was ist an den Vorwürfen wahr? Ist die Blue Devils Betriebs GmbH wirklich herzlos? Sind die Vorwürfe zum Beispiel eines Didi Stolzes gerechtfertigt?


Steffens:
Die Blue Devils waren finanziell am Abgrund, standen unter Insolvenzverwaltung. Der Ausstieg aus der laufenden Saison drohte. Aber wir haben es geschafft und eine solide Basis geschaffen. Keine Frage es war ein steiniger Weg .

Um den Blue Devils wieder eine Zukunftsperspektive zu geben, waren zum Teil schmerzhafte Einschnitte nötig. Diese als herzlos zu bezeichnen, steht natürlich jedem frei. Es gab aber leider keine Alternative. Dass die Überbringer schlechter Botschaften oft für diese verantwortlich gemacht werden, liegt wohl in der Natur des Menschen und verletzte persönliche Eitelkeiten ebenso, nur sollte dies nicht den Blick auf das Wesentliche verstellen: Die Blue Devils leben und wir können, im Gegensatz zu diesem Jahr, rechtzeitig und unter professionellen Rahmenbedingungen an der Planung der nächsten Saison arbeiten.

Huddle:
Ein Kritikpunkt besteht in der Frage, was darf der Investor und Geschäftsführer, was obliegt dem Vorstand des e.V.`s.

Steffens:
Wir haben hier eine klare Aufgabenverteilung. Die Betriebs GmbH sorgt für das betriebswirtschaftliche Umfeld innerhalb dessen die sportliche Leitung des Vereins die Vorraussetzungen für den Erfolg auf dem Rasen schafft. Natürlich gibt es ein enges Beziehungsgeflecht zwischen beiden Organisationen. Schließlich stehen der sportliche und wirtschaftliche Erfolg in einer direkten Wechselbeziehung, die aber natürlich auch von weiteren Faktoren, wie dem persönlichem Engagement unserer vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, dem Teamgeist usw. beeinflusst werden.

Überhaupt steht bei uns der Teamgedanke auch abseits des Spielfeldes im Vordergrund. Die Kompetenzen sind klar geregelt. Florian Dannehl ist für die sportlichen Belange verantwortlich, Erik Herklotz und ich für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Kompetenzverteilungen (BetriebsGmbH und VermarktungsGmbH) ist zusammen mit dem Vorstand des Vereins, dem Insolvenzverwalter Dr. Büchler erarbeitet und bei der letzten Mitgliederversammlung bestätigt worden. Daran haben sich alle zu halten.

Huddle:
Wie beurteilt Dr. Büchler die zerrütteten Verhältnisse ?

Steffens:
Von zerrütteten Verhältnissen kann keine Rede sein. Dr. Büchler hat uns aus der Insolvenzverwaltung entlassen, weil wir klare Verhältnisse geschaffen, solide gearbeitet und die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche, sportliche und wirtschaftliche Zukunft der Blue Devils geschaffen haben.

Hätten wir keine neuen Strukturen geschaffen, gäbe es die Blue Devils zumindest als Mitglied der GFL nicht mehr. Dass notwendige Veränderungen von einigen als Zerrüttung empfunden werden, bedauere ich zutiefst. Ich denke aber diese Einschätzung basiert auf der Enttäuschung persönlicher Interessen. Diese müssen aber zum Wohle des Ganzen, nämlich des Teams, der Mitarbeiter und der Fans der Blue Devils zurückstehen. 

Huddle:
Sie waren einer der Initiatoren, mit der NFLE Kontakt aufzunehmen. Was bezwecken Sie mit diesem Engagement ? Hat es sich gelohnt. Möglicherweise wird nun die NFLE in Hamburg Einzug halten.

Steffens:
Wir haben den Kontakt mit der NFLE erst nach reiflicher Überlegung aufgenommen. Nach genauer Analyse der Situation, dem Abwägen des Für und Wider haben wir konkrete Kooperationspläne erarbeitet, die für beide Seiten Vorteile bringen. Da die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, nenne ich konkret hier nur das Stichwort: Gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen, wie Trainingsgelände, Equipment usw. Es ergeben sich Synergieeffekte, die der Qualität der Arbeit im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich zu Gute kommen. Außerdem würde der Einzug der NFLE das Interesse am American Football in Hamburg im Allgemeinen weiter steigern. Um diesen Effekt für die Blue Devils in den Bereichen Zuschauerzahlen, Sponsoring, Merchandising und Pressearbeit optimal zu nutzen, haben wir auch hier konkrete Pläne in der Schublade.

Huddle:
Glauben Sie, daß eine Kooperation mit der NFLE möglich sein wird, wenn sie nach HH kommt, ohne die Devils in ihrem Bestand zu gefährden ?

Steffens:
Wir sind davon überzeugt, dass das der Fall sein wird, ohne den Bestand der Blue Devils zu gefährden. Dies war und ist unsere Motivation eine Kooperation mit der NFLE anzustreben.

Huddle:
Welche Fehler haben Sie in diesem Jahr zu verantworten ? Was wurde  besonders gut gemacht ?

Steffens:
Wer viel macht, macht auch mal etwas falsch. Sollte man deshalb die Hände in den Schoß legen? Die entscheidende Frage ist doch, lerne ich aus meinen Fehlern? Wir sind in der ersten Runde der Play - Offs gescheitert. Dies bedeutet für uns, wir haben Fehler gemacht, denn unser Ziel war es, wie in den vergangenen Jahren Deutscher Meister zu werden. Einzelne große Fehler haben wir aber innerhalb unserer Saisonanalyse nicht feststellen können. Es waren viel mehr eine Reihe von kleinen Versäumnissen, die sich im Nachhinein leider negativ bemerkbar gemacht haben. Die Hauptschwierigkeit in der vergangenen Saison bestand darin, dass wir erst ab dem 1.1.2004 mit der Planung der neuen Saison beginnen konnten. Dies war neben den finanziellen Vorgaben eine Hauptauflage des Insolvenzverwalters. Die Last der Arbeit war dadurch auf zu wenigen Schultern verteilt. Trotz dieser äußerst widrigen Umstände haben wir es geschafft die komplette Saison zu bestreiten. Gleichzeitig haben wird das Vertrauen der Sponsoren zurück gewonnen und die Blue Devils haben wieder eine ausgezeichnete Perspektive für die Zukunft. Unser Respekt und Dank geht an die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, Fans und Sponsoren die den Blue Devils in dieser schweren Zeit die Treue gehalten haben. Ohne Sie wäre diese Wiederauferstehung nicht möglich gewesen. 

Huddle:
Spüren Sie noch, daß die Mehrheit der ehrenamtlichen Devils mit Ihnen zusammen arbeitet.

Steffens:
Die Signale sind durchweg positiv. Es ist etwas in Bewegung. Es herrscht eine erfreuliche Aufbruchsstimmung. Wir geben alles, um an die Erfolge der letzten Jahre anzuknüpfen und das überträgt sich auf die Spieler, ehrenamtlichen Mitarbeiter und nicht zuletzt auch auf die Fans. Der Hamburg Blue Devils Förderkreis, die Supporters, der Supporters Club und alle anderen, die sich für die Rettung der Blue Devils eingesetzt haben, verdienen jetzt Kontinuität, Sicherheit und Transparenz.
 
Huddle:
Wieviel Kritik ist noch ertragbar, um eine zweite Saison durchzuhalten ?

Steffens:
Kritik ist gut und notwendig, wenn sie sachlich und fundiert ist. Sie hilft uns unsere Arbeit für die Blue Devils weiter zu optimieren. Wer keine Kritik vertragen kann, wird sich nicht weiter entwickeln, aber genau das ist es, was wir wollen; uns weiter verbessern. Insofern werten wir Kritik an unserer Arbeit als positiv, weil sie zeigt, dass ein großes Interesse an den Blue Devils besteht.

Allerdings haben wir uns eins ums andere Mal gewünscht, dass Kritik direkt an uns herangetragen worden wäre und wir sie nicht in der Zeitung oder Im Huddle hätten lesen müssen.

Huddle:
Wie man so hört, versuchen Sie zur Zeit die im Umlauf befindlichen Devils Plagiate und illegalen Verwendungen des Logos zu bekämpfen. Wie gehen Sie in dieser Sache vor und was versprechen Sie sich davon ?

Steffens:
Irgendwie fühlen wir uns auch geschmeichelt, dass wir Opfer von solchen Machenschaften werden. Zeigt es doch welchen Wert die Marke Blue Devils besitzt. Aber, Plagiate und die illegale Verwendung des Logos sind Betrug zu Lasten der Blue Devils und deren Fans. Es entsteht materieller Schaden und das Ansehen in der Öffentlichkeit leidet.

Dies werden wir nicht tolerieren. Im Interesse der Blue Devils und der Fans werden wir mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen vorgehen. Für einen Sportverein ein ärgerlicher, aber leider zum Alltag gewordener Vorgang -  Trittbrettfahrer, die auf Kosten anderer abkassieren.


Huddle:
Wie geht es 2005 weiter ? Das Stadion Millerntor ist zu teuer, ein Großteil der Mannschaft hört auf zu spielen. Es scheint so, als wenn die Devils keine Zukunft mehr haben ? Wo liegen die Perspektiven ?

Steffens:
Das Jahr der Konsolidierung ist vorbei und wir werden 2005 wieder voll angreifen. Unser Ziel ist eine kontinuierliche sportliche Entwicklung.

Zur Zeit planen wir mit einem Trainerstab von fünf Coaches in Vollzeit, darunter einen Head Coach, und drei in Teilzeit. Besonders froh sind wir, alte Haudegen wie zum Beispiel Berhard Rozic und Vladi Ilic mit an Bord zu haben. Hinzu kommt Horst Meinhardt als Athletic Coach, dessen Engagement vor allem in der Saisonvorbereitung im Winter weiter ausgebaut wird.

Der Kader wird etwa 70 Spieler umfassen. Durch die neue Transparenz und die hervorragende Perspektive der Blue Devils ist die Zusammenstellung des Kaders schon recht weit fortgeschritten. Bezahlt macht sich dabei auch wieder einmal unsere sehr erfolgreiche Jugendarbeit. Mit unserem professionellen Trainerstab und unserem eigenen Trainingsgelände schaffen wir optimale Rahmenbedingungen für die persönliche Weiterentwicklung der Spieler. Unter diesen Vorraussetzungen sind wir in der Lage, ein Team zusammen zu stellen, das bei der Titelvergabe in der nächsten Saison auf jeden Fall ein Wörtchen mitreden wird.

Die Frage der Spielstätte ist noch nicht endgültig geklärt. Aber auch hier wollen wir neue Wege gehen und setzen dabei auf Kontinuität. Die Hamburg Blue Devils brauchen endlich ein eigenes zu Hause!


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